Wir informieren über
POLYNEUROPATHIEN
Alkoholische, diabetische bzw.
metabolische,
infektiöse, degenerative, ischämische und toxische
Polyneuropathien, Lundbaek Syndrom
(Viele weitere Schmerzthemen unten auf dieser Seite)
21
Nervenerkrankungen
21.1
Nervenschädigungen
21.2 Polyneuropathien
Periphere (= außerhalb Rückenmark und Gehirn verlaufender)
Nervenschädigungen
können zu
Schmerzen
hpts. in
Arme und
Beine,
vor allem im Bereich von
Finger und
Zehen führen.
Polyneuropathien treten in der Folge oder als Symptom (= Anzeichen)
verschiedener Erkrankungen auf und stellen kein eigenständiges Leiden dar.
Die
möglichen Ursachen von Polyneuropathien sind äußerst vielfältig (Griffin 1984, Ludin
1984), Gibbels (1980) nennt in einer großen Übersichtsarbeit 168
mögliche Grundkrankheiten. In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der
Fälle alkoholische und diabetische bzw.
metabolische Polyneuropathien
(Neundörfer 1988). In unklaren Fällen ist vor
allem an exo toxische
(= von außen zugeführte Gifte)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.) sowie
Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endo toxische
(=
Gifte die im Körper selbst entstehen) (Porphyrie (=
erbliche oder erworbene Stoffwechselstörung), Urämie (=
Harnvergiftung)) und evtl.
infektiöse Ursachen (Borreliose nach
Zeckenbiß bzw.
Zeckenstich) in Frage.
Die
Unterscheidung zwischen diabetische
n und alkoholische
n
Polyneuropathien ist
häufig anhand der Sudomotorik (= Schweißverhalten)
der
Füße
möglich; sie sind beim Diabetiker meist schilfrig trocken, bei
Alkoholmißbrauch nicht selten stark schweißig (Neundörfer 1988).
Eine häufig unterschätzte Komplikation der schweren peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) stellt die ischämische Neuropathie dar. Bei der klinischen Symptomatik treten motorische Defizite (= Muskelschwäche) gegenüber Schmerzen und Sensibilitätsstörungen zurück. Überwiegend handelt es sich um asymmetrische (= ungleich verteilte), nur die Beine betreffende Manifestationstypen. Alle Nervenfaserklassen sind betroffen. Neben der ischämische n Neuropathie findet sich häufig die Kombination mit einer diabetische n Neuropathie, gekennzeichnet durch klinische und neurophysiologische Unterschiede. Die Therapie ist symptomatisch (= gegen die Krankheitszeichen gerichtet), und die Prognose (= Vorhersage über wahrscheinlichen Verlauf und Ausgang einer Krankheit) wird entscheidend von dem zugrunde liegenden Gefäßleiden, aber auch von dem erhöhten kardialen (= das Herz betreffende) Risiko dieser Patienten bestimmt. (mod. n. Deutsches Ärzteblatt 97, Ausgabe 42)
Bei
Polyneuropathien klagen die Patienten über brennende
Dauerschmerzen im
Versorgungsgebiet peripherer (= außerhalb Rückenmark und
Gehirn verlaufender) Ner ven,
Parästhesien (=
Fehlempfindungen),
Hyperästhesien und
Hyperpathien
(= gesteigerte Berührungsempfindlichkeiten), Druckschmerzhaftigkeit
von Nerven
und
Muskeln sowie evtl. über motorische (= die
Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram pi) (Gerstenbrand
et Rumpl 1988).
Schmerzattacken wie bei einer
Neuralgie
sind sehr selten. Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige
Sensibilitätsstörungen (= Störungen der Empfindlichkeit).
Der
brennende Schmerzcharakter kann manchmal zur Verwechslung mit einer
Kausalgie
führen. Eine Sonderform der diabetische
n Po lyneuropathie
stellt das Lundbaek Syndrom dar.
Dabei kommt es bei länger bestehendem Diabetes mellitus zu Parästhesien (=
Fehl-, Mißempfindungen),
Bewegungsschmerzen, intermittierendes
Muskelversagen, Muskelsteife und Druckschmerzhaftigkeit im
Hand /
Unterarm -Bereich
(Therapie siehe unten).
Bei der klinischen Untersuchung fallen vor allem
Hypo- bis Areflexie (= Abschwächung bis hin zu Ausfall der
Muskeleigenreflexe), Ausfälle im Vibrationsempfinden
(Pallhypästhesie bis hin zu
Pallanästhesie im Stimmgabelversuch) und Störungen der Sudomotorik (=
Schweißverhalten) auf, die von Lähmungen begleitet sein können. Je
nach Verteilungsmuster unterscheidet man symmetrische und asymmetrische, rein
sensorische (= die Empfindlichkeit betreffende)
oder sensorisch-motorische (= die Empfindlichkeit und
Muskelkraft betreffende) Formen von
Polyneuropathien.
EMG (Elektromyographie)
und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) sichern die Diagnose.
Unter den Krankheitszeichen von Polyneuropathien können sich u.a. folgende Krankheitsbilder verbergen:
Kausale (=
auf die Ursache gerichtete) Therapie der
Polyneuropathien: Am
häufigsten wird der
Schmerztherapeut wegen
Polyneuropathien bei Diabetes
mellitus aufgesucht. Zur Stabilisierung eines möglichen Therapieerfolgs,
aber auch um eine weitere Beschwerdezunahme zu verhindern, ist es sehr wichtig,
die Stoffwechsellage zu optimieren. Dazu ist eine enge Kooperation mit dem
behandelnden Hausarzt oder Internisten notwendig.
Die häufigste Ursache für toxi sche
(= durch giftige Stoffe verursachte)
Polyneuropathien ist ein Alkoholmißbrauch; wegen der komplexen
Kausalität der Alkoholabhängigkeit kann dieses Problem in der Regel nicht im
Rahmen einer Schmerzsprechstunde gelöst werden. Es muß versucht werden, dem
Patienten zu erklären, daß eine spezifische
Schmerztherapie nur dann sinnvoll
sein kann, wenn auf weiteren Alkoholgenuß verzichtet wird.
Angesichts der
Fülle möglicher weiterer Noxen (= schädliche Stoffe)
ist das Aufspüren derselben im allgemeinen schwierig. Hervorzuheben ist, daß
nicht selten auch
Analgetikaabusus (=
Schmerzmittelmissbrauch) zu
Polyneuropathien führen kann.
Symptomatische (=
auf die Krankheitszeichen ausgerichtete) Therapie der
Polyneuropathien
(alkoholische, diabetische bzw.
metabolische,
infektiöse,
degenerative, ischämische oder toxische):
Thioctsäure - Bei Diabetes mellitus
anfallende Ketone blockieren einen Multienzymkomplex, dessen Ausfall durch
Bindung der alpha-Liponsäure zu Einlagerung von Sorbitol in den Zellen führt
(intrazelluläres Ödem möglich) (Besinger 1988).
Orale (=
in Tropfen- oder Tablettenform verabreichte), intravenöse oder
intramuskuläre Gabe von Thioctsäure (= alpha-Liponsäure) führt zu einer
Reaktivierung des Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung
diabetische r Ketone.
Das Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®),
ein Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, ist auch zur
Schmerztherapie bei einer d
iabetische n
Polyneu ropathie
zugelassen worden.
Neurotrope Vitamine (=
"Nervenvitamine"): Die mehr oder weniger hochdosierte
Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Polyneuropathien allgemein üblich.
Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten Fällen zu einer
Verbesserung. Hohe Dosen von Vitamin B6 können selbst neurotoxisch (=
wie ein Nervengift) wirken und
Polyneuropathien induzieren, über die
zentralen Effekte von Vitamin B12 sind die Meinungen im Widerstreit (Zöllner
et al. 1988).
Gegen die
Schmerzen bei Polyneuropathien wirken am besten
sog. Antiepileptika (= eigentlich Mittel gegen die Fallsucht,
aber auch bei Polyneuropathien hilfreich). Als erste
Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B.
Tegretal®).
Analgetika (= Schmerzmittel):
Schmerz
en als Folge von Polyneuropathien (alkoholische,
diabetische bzw.
metabolische,
infektiöse, degenerative, ischämische oder
toxische) sind in der Regel durch Schmerzmittel nur
schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist noch ein Effekt von zentral
wirksamen Analgetika (= Schmerzmittel die im Rückenmark /
Gehirn wirken) zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich,
ein sicher wirksames Medikament zu empfehlen. Eine Kombination aus Metamizol
(z.B. Novalgin®) und Chinin soll relativ zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein
Gemisch aus Uridin- und Dinatriumsalze (Keltican®) kann versucht werden.
Andere
Medikamente: Bei crampiformen (= muskelkrampfartige)
Beschwerden werden zur
Schmerzbehandlung Baclofen und Calcium-Antagonisten
empfohlen (Gerstenbrand et Rumpl 1988). Unter dem Aspekt der
Schmerzdistanzierung können Antidepressiva und
Neuroleptika (=
Mittel zur Behandlung der Psyche, aber auch bei einem
Schmerz wirksam)
versucht werden.
Physikalische Therapie bei Polyneuropathien (alkoholische,
diabetische,
infektiöse, toxische): Eine
Vielzahl von Methoden sind geeignet, das Schmerzbild einigermaßen erträglich
zu halten. Zu erwähnen wären besonders kalte oder warme Wickel, Wechselbäder,
Kneipp`sche Güsse oder eine oberflächliche Kryobehandlung (=
Kältebehandlung) mit Kondensationsdampf aus flüssigem Stickstoff
oder Kaltluftgenerator.
In einigen Fällen kann auch eine Linderung mit
transkutaner Nervenstimulation (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden herbeigeführt werden.
Neuerdings führen wir bei Polyneuropathien im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschenkel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Durch die Verbesserung der Durchblutung wird der Stoffwechsel der Nervenzellen optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken). Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
Therapeutische
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika) bei
Polyneuropathien (alkoholische, diabetische,
infektiöse, toxische):
Wiederholte
Nervenblockaden - Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der
korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich
gerade bei Polyneuropathien sehr bewährt. Dabei kommt es neben
der (erwünschten) Hemmung der Nozizeption (=
Schmerzreizleitung) gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer
(sympathischer) Faseranteile (Sympathikolyse), woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung
im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerative
n
Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung nicht
nur symptomatisch, sondern auch kurativ (= auf
die Ursache ausgerichtet).
Im Bereich der oberen Ex tremitäten
(= Ar me)
(besonders beim Lundbaek Syndrom) bietet sich die
Blockade des Plexus brachialis (= großes Armnervengeflecht)
an; im Bereich der unteren Extremität
(= B ein)
kann, besonders bei distal (= weiter unten)
betonten Beschwerden, zunächst der Nervus ischiadicus wiederholt blockiert
werden. Nach probatorisch guter Wirkung empfiehlt sich zur Durchführung einer
kontinuierlichen (repetitiven) Blockade die Einpflanzung eines Katheters (*
siehe unten).
Bei den häufig vorkommenden sockenförmigen Beschwerden gilt es
jedoch zu bedenken, daß im Knöchelbereich auch der Nervus saphenus beteiligt
sein kann, der dann in die Blockadetherapie mit einbezogen werden muß. Bei
Beschwerden im Bereich der unteren Ex tremitäten
(= B eine)
kann auch eine niedrig dosierte
peridurale (= rückenmarknahe) Blockade
durchgeführt werden. Dabei gilt, daß eine Therapie mit Leitungsblockaden dann
optimal ist, wenn diese möglichst kontinuierlich durchgeführt werden, d.h.,
die Folgeblockade sollte immer dann gesetzt werden, wenn die vorhergehende eben
abgeklungen ist. Dieser Forderung wird am ehesten die Kathetertechnik gerecht (*
siehe unten). In der Regel reicht eine geringe Lokalanästhetika-Dosierung aus
(z.B. Bupivacain 0,125 bis 0,15%).
Zur Therapie werden auch Sakralblockaden
(= rückenmarknahe Blockade durch eine Öffnung im Kreuzbein hindurch)
empfohlen (Kossmann et al. 1988).
Fast regelmäßig kommt es nach einer intensiven Blockadebehandlung zu einer Besserung der Pallästhesie (= Vibrationsempfinden), so daß sich die diesbezügliche Untersuchung zur Objektivierung eines Behandlungserfolges eignet.
Intravasale (= in ein Blutgefäß verabreichte) Lokalanästhetika -Gabe bei Polyneuropathien (alkoholische, diabetische, infektiöse, toxische): Bei polyneuropathischen Beschwerden im Beinbereich hat sich die wiederholte intraarterielle (= in die Schlagader) Einspritzung eines Lokalanästhetikum s (= örtliches Betäubungsmittel) (z.B. Lidocain in niedriger Konzentration) gut bewährt. Dabei verabreichen wir eine Serie von ca. 10 Injektionen in die Arteria femoral is (= Schlagader im vorderen Oberschenkel) an aufeinander folgenden Tagen, jeweils 1x täglich. Um die Traumatisierung (= Verletzung) der Arterienwand möglichst gering zu halten, wird eine sehr dünne Kanüle verwendet. In der Regel geben die Patienten unmittelbar nach dem Einspritzen ein mehr oder weniger stark ausgeprägtes Wärmegefühl im behandelten Bein an.
Sehr gute Erfolge sehen wir, wenn bei Polyneuropathien (alkoholische, diabetische bzw. metabolische, infektiöse, degenerative, ischämische und toxische) oben beschriebene Nervenblockaden mit einer Infusionsserie kombiniert wird. Der Infusionslösung (z.B. 500 ml NaCl) werden 1-1,5 mg/kg Körpergewicht Lidocain zugesetzt.
* Bei der sog. kontinuierlichen Nervenblockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an den betroffenen Ner ven oder das betroffene Nervengeflecht eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel in den Katheter auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.
Wenn Schmerz en bei Polyneuropathien (alkoholische, diabetische bzw. metabolische, infektiöse, degenerative, ischämische oder toxische) längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
Aktualisiert: 7.11.2006 k u
A
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im Schultergelenk,
Schmerz im Steiß,
Schmerz im
Steißbein,
Schmerz im Thorax,
Schmerz im Unterarm,
Schmerz im
Unterkiefer, Störung der Durchblutung,
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symptomatischer Gesichsschmerz,
symptomatischer Kopfschmerz,
T
Talalgie,
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Tendosynovialitis,
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Überlastungssyndrom,
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Unterleibsschmerz,
Unterleibschmerzen,
Unterkiefer-Schmerz
V
Vaskulärer
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Wadenschmerz,
Wangenschmerzen,
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